Niedersachsen legt Zehn-Punkte-Plan für mehr Inklusion im Arbeitsleben vor

06.07.2026

Niedersachsens Arbeits- und Sozialminister Dr. Andreas Philippi hat am heutigen Freitag gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Inklusion im Arbeitsleben vorgestellt.

Ziel ist es, die gleichberechtigte Teilhabe von schwerbehinderten Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu stärken und bestehende Hürden weiter abzubauen. Denn trotz des Fachkräftemangels sind im Juni 2026 allein in Niedersachsen etwa 15.800 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig belegen Daten der Bundesagentur für Arbeit, dass sie auch bei geeigneter Qualifikation noch immer deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Menschen ohne Behinderung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben das Niedersächsische Arbeits- und Sozialministerium, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, das Integrationsamt beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, der Niedersächsische Landkreistag (NLT), der Niedersächsische Städtetag (NST), die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V. (LAG FW), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. (UVN) einen Runden Tisch ins Leben gerufen und sich auf einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog verständigt. Dieser sieht sowohl die Weiterentwicklung von bestehenden als auch von neuen Unterstützungsangeboten vor. So soll das bereits flächendeckend existierende Beratungs- und Förderangebot Arbeitgebenden sowie schwerbehinderten Menschen transparenter zur Verfügung gestellt werden. Zugleich umfasst das Papier die Schaffung finanzieller Anreize für die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Auch die Netzwerkarbeit soll auf regionaler Ebene weiter aufgebaut und vertieft werden.

Überall im Land sind Betriebe und Unternehmen händeringend auf der Suche nach qualifiziertem Personal. Gleichzeitig erleben wir einen fundamentalen Widerspruch: Viele Menschen, die über das Potenzial verfügen, diese Lücken zu füllen, bleiben auf der Strecke. Hierzu gehören auch Menschen mit Behinderungen. Ich danke daher allen Partnerinnen und Partnern für diese konstruktive Zusammenarbeit. Uns alle eint der gemeinsame Wille, die Potenziale von schwerbehinderten Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen und einen Beitrag zu einem wirtschaftlich starken und sozialen Niedersachsen zu leisten. Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Arbeits- und Sozialminister

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Annetraud Grote, betont: „Menschen mit Behinderungen gehören selbstverständlich in unsere Arbeitswelt. Wer Barrieren abbaut, gewinnt: Unternehmen und der öffentliche Dienst gewinnen engagierte Fachkräfte, unsere Gesellschaft gewinnt an Vielfalt, Gerechtigkeit und Zusammenhalt. Niedersachsen hat die Chance, Vorreiter für einen inklusiven Arbeitsmarkt zu werden – wirtschaftlich stark und sozial gerecht.“

Johannes Pfeiffer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt: „Der Zehn-Punkte-Plan ist ein klares Bekenntnis zu mehr Chancengleichheit und Inklusion. Es geht darum, individuelle Potenziale zu fördern und die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure nachhaltig auszubauen. So wollen wir gemeinsam erreichen, dass mehr Menschen mit Schwerbehinderung ihre Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt einbringen können. Arbeitsagenturen und Jobcenter leisten hier bereits einen bedeutenden Beitrag. Mit den geplanten Maßnahmen lassen sich die Aktivitäten für Inklusion im Arbeitsleben noch erweitern.“

Der Hauptgeschäftsführer des NLT, Dr. Joachim Schwind, macht deutlich: „Als Kommunen kümmern wir uns um das, was die Menschen vor Ort bewegt. Die Inklusion Schwerbehinderter im Arbeitsleben berührt gleich mehrere Themen auf verschiedenen Ebenen: Teilhabe, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung, Abbau von Barrieren, Chancengleichheit, Zusammenhalt. Mit dem Zehn-Punkte-Plan unterstützen wir konkret Menschen mit Behinderung und stärken die Gesellschaft insgesamt! Wenn es ihn jetzt nicht schon gäbe, müsste man ihn erfinden.“

Dr. Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des NST, sagt: „Inklusion ist mehr als eine gesetzliche Verpflichtung – sie ist Ausdruck einer modernen, vielfältigen und leistungsfähigen Arbeitswelt. Kommunen leben von den unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven ihrer Beschäftigten – und sind damit gleichsam Vorbild für die gesamte Arbeitswelt. Schon heute liegt die Beschäftigungsquote mit über 6 Prozent im öffentlichen Dienst oberhalb der gesetzlichen Quote. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen oder anderen Einschränkungen gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben können. Ein inklusiver Arbeitsplatz entsteht dort, wo Barrieren konsequent abgebaut, individuelle Potenziale erkannt und passende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Davon profitieren nicht nur die betroffenen Beschäftigten, sondern auch die Verwaltungen selbst: Vielfalt stärkt Innovation, Teamarbeit und Bürgernähe. Daher unterstützt der Niedersächsische Städtetag die Initiative.“

Für Kerstin Tack, Vorstand LAG FW, ist wichtig: „Menschen mit Schwerbehinderungen haben weiterhin deutlich schlechtere Chancen auf dem inklusiven Arbeitsmarkt. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Initiative des Runden Tisches, Expert*innen aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen, um die Ursachen dieser Ungleichheit genauer zu identifizieren und wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Besonders deutlich wurde, dass es häufig an einem passenden Matching zwischen vorhandenen Fähigkeiten und den Anforderungen der Arbeitsstellen sowie an bedarfsgerecht angepassten Arbeitsplatzbedingungen fehlt. Mit dem vorliegenden Zehn-Punkte-Plan wurde ein wichtiger Schritt zur Abhilfe getan. Jetzt kommt es darauf an, die Maßnahmen konsequent umzusetzen und gemeinsam zu prüfen, ob sie das zentrale Ziel erreichen: mehr Menschen mit Schwerbehinderung erfolgreich in den inklusiven Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Dr. Ernesto Harder, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt: „In Zeiten von Fachkräftemangel können wir auf keine und keinen verzichten. Menschen mit einer Schwerbehinderung haben Potenziale und Qualifikationen, die wir dringend auf dem Arbeitsmarkt brauchen. Dafür muss der Arbeitsmarkt aber auch inklusiver gestaltet und Hürden abgebaut werden. Genau hierzu haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht. Menschen mit einer Schwerbehinderung verdienen es, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dafür ist eine adäquate Beschäftigung mit guten Arbeitsbedingungen die Voraussetzung.“

Benedikt Hüppe, Hauptgeschäftsführer der UVN, führt aus: „Die Betriebe in Niedersachsen brauchen Lösungen, die im Alltag funktionieren. Viele Unternehmen wollen mehr Menschen mit Behinderung beschäftigen. Oft ist aber unklar, welche Förderung es gibt, wer zuständig ist und wie der Weg dorthin aussieht. Der Zehn-Punkte-Plan soll das ändern. Jetzt kommt es darauf an, dass die Maßnahmen schnell, verständlich und ohne unnötige Bürokratie bei den Unternehmen ankommen. Für die Fachkräftesicherung brauchen wir alle verfügbaren Potenziale. Auf Menschen mit Behinderung können und wollen wir nicht verzichten."

Den vollständigen Zehn-Punkte-Plan finden Sie unter:
https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/soziales_inklusion/inklusion_von_menschen_mit_behinderungen/inklusion-von-menschen-mit-behinderungen-171501.html

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung

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