Das Einfamilienhaus kann mehr: Sozial und baulich weiterdenken statt Stillstand nach dem Einzug
Ausgangssituation
Auch in der Schweiz stehen viele Einfamilienhausgebiete vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen: Die Bewohnerstruktur hat sich vielfach einseitig entwickelt – ältere Menschen wohnen nach dem Auszug der erwachsenen Kinder weiterhin auf großen Wohnflächen. Gleichzeitig bleiben bauliche Potenziale – etwa für Aufstockungen oder Umnutzungen – weitgehend ungenutzt. In vielen dieser Eigenheimquartiere dominiert die Vorstellung, mit dem Einzug in das Haus sei das Wohnumfeld dauerhaft abgeschlossen – baulich wie sozial. Doch Lebenssituationen und Wohnbedarfe ändern sich stetig. Chancen zur Weiterentwicklung bleiben dabei häufig ungenutzt. Und der Druck auf die Wohnflächen
nimmt zu. In der Schweiz werden keine neuen Bauzonen für Einfamilienhäuser ausgewiesen und die Grundstückspreise steigen. Zudem drängen vermehrt professionelle Investoren als neue Akteure in die bestehenden Einfamilienhausgebiete und setzen
dabei auf teure Ersatzneubauten.
Ziele
Ziel des Projekts MetamorpHouse ist es, bestehende Einfamilienhausgebiete nachhaltig weiterzuentwickeln, möglichst, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Kern des Ansatzes ist die Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen, z. B. durch Aufstockungen, durchdachte Erweiterungen und Teilung. So kann Wohnraum effizienter genutzt, Flächenverbrauch reduziert und gleichzeitig der Charakter des Quartiers bewahrt werden. Zudem zielt das Projekt darauf ab, nicht nur bauliche, sondern auch soziale Veränderungen anzustoßen. Einfamilienhausgebiete sollen sich zu generationengemischten und lebendigen Nachbarschaften entwickeln. Dafür ist es notwendig, die Fixierung auf den ursprünglichen Hauszustand aufzubrechen und eine Kultur der Veränderungsbereitschaft zu fördern.
Maßnahmen und Umsetzung
MetamorpHouse versteht sich als Impulsgeber und Unterstützer für Eigentümerinnen und Eigentümer. Im Fokus steht die individuelle Potenzialanalyse, die von der Gemeinde oder den Eigentümerinnen und Eigentümern finanziert wird. Sie zeigt auf,
- welche Nutzungskonzepte sinnvoll sind; dabei wird zwischen familiärer Nutzung und der Integration von Fremdmietern unterschieden.
- wo Aufstockungen oder Erweiterungen möglich sind.
- wie Wohnungen unterteilt oder altersgerecht umgebaut werden können.
Die Kombination aus sozialräumlicher Sensibilisierung und baulichen Empfehlungen bildet den Kern des Ansatzes. Es geht darum, Eigentümerinnen und Eigentümern die Potenziale ihrer Immobilien und ihres Quartiers aufzuzeigen. Sie sollen befähigt werden, eigene Vorstellungen umzusetzen, ohne dass MetamorpHouse direkt in die Planung oder Umsetzung eingreift.
Bezahlbarkeit
Im Gegensatz zur reinen Haussanierung, die primär dem Komfort dient, stellt die Aufteilung und ggf. bauliche Erweiterung des vorhandenen Wohnraums eine Investition mit Einnahmepotenzial dar. MetamorpHouse berät zur Finanzierung mit Fokus
auf das Kosten-Nutzen-Ergebnis aus Sicht der Eigentümerinnen und Eigentümer. Die Verknüpfung von baulichen Maßnahmen mit Mehrwerten für die Eigentümerhaushalte – etwa durch zusätzliche Mieteinnahmen – erhöht die Akzeptanz und Investitionsbereitschaft. Erprobt wurden verschiedene Finanzierungsmodelle – von vollständiger Kostenübernahme durch die Gemeinde über hälftige Finanzierung durch die Gemeinde bis hin zur Eigenbeteiligung der Eigentümerinnen
und Eigentümer. Auffällig war, dass die Teilnahmequote unabhängig vom Finanzierungsmodell gleich hoch blieb. Das zeigt: Die rund 2.000 Franken für eine Erstberatung stellen meist keine Hürde dar. Für Gemeinden wird das Verfahren zudem effizienter, wenn mehrere Potenzialanalysen gebündelt durchgeführt werden, da so aufwendige Prüfungen und Auswertungen der kommunalen Satzungen und Vorschriften effizienter durchgeführt werden können.
Finanzierungslücken und Herausforderungen
Trotz der Vorteile gibt es typische Hindernisse: Rechtsfragen rund um Erbregelungen, Vermietung oder Baurecht sind oft komplex. Auch wird das Potenzial der Innenentwicklung häufig unterschätzt. Hinzu kommt, dass jede Gemeinde ihre eigenen örtlichen Bauvorschriften hat, die alle 15 Jahre überarbeitet werden. Eine zentrale Herausforderung
im Prozess besteht zudem darin, die bestehende Bewohnerschaft davon zu überzeugen, dass bauliche Veränderungen am eigenen Haus nicht nur sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sind. Informationsveranstaltungen und positive Beispiele aus der Praxis sind hier entscheidend, um Ängste abzubauen, Vertrauen in den Prozess zu schaffen und eine Sensibilisierung zu erreichen.
Übertragbarkeit auf andere Städte und Gemeinden
Das MetamorpHouse-Konzept ist überall dort anwendbar, wo Bestandsgebäude ungenutzte Potenziale für Umnutzung, Erweiterung oder Aufstockung vermuten lassen. Besonders geeignet ist das Modell für Städte und Gemeinden, die bestehende Wohngebiete zukunftsfähig gestalten möchten, indem sie Wohnraum schaffen, soziale Durchmischung fördern und dabei auf großflächige Neubaugebiete verzichten. So können bestehende Strukturen qualifiziert weiterentwickelt und Quartiere langfristig lebendig erhalten werden.
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