Ausbildungsverbund Heidekreis – Perspektiven eröffnen, Zukunft sichern

Wenn aus Unsicherheit neue Stärke wird, wenn junge Menschen wieder an sich glauben und Betriebe die Fachkräfte von morgen finden – dann zeigt sich, wie wirkungsvoll gute Förderung sein kann. Der Ausbildungsverbund Heidekreis begleitet seit vielen Jahren Jugendliche, die besondere Unterstützung benötigen. Er bringt sie mit Betrieben zusammen, die Verantwortung übernehmen wollen. Im Gespräch mit Jutta Biermann, Leitung des Ausbildungsverbundes Heidekreis, erfahren wir, was und wie viel entstehen kann, wenn Engagement, Netzwerk und ein starkes Förderprogramm zusammenwirken.

Team des Ausbildungsverbunds der VHS Heidekreis | Bildnachweis: VHS Heidekreis / Jutta Biermann

Was hat Sie motiviert, sich als Träger für dieses Programm zu bewerben?
Im Heidekreis stießen wir lange auf einen deutlichen Widerspruch: viele junge Menschen suchten einen Ausbildungsplatz und gleichzeitig fehlte es an freien Stellen. Der kommende Fachkräftemangel war absehbar, wurde aber in den Betrieben kaum wahrgenommen. Wir wollten das ändern und Jugendlichen echte Perspektiven eröffnen.

Wie begann Ihre Arbeit, und welche Schwerpunkte setzen die Verbünde heute?
2005 gründeten wir, unterstützt durch den Landkreis Heidekreis, den ersten Ausbildungsverbund. Mit zunehmendem Fachkräftemangel und steigenden Unterstützungsbedarfen bot die Förderung über die NBank ab 2008 genau das passende Instrument, um unser Angebot für alle jungen Menschen in der Region zu öffnen. Von Anfang an stand die Integration benachteiligter Jugendlicher im Mittelpunkt. Ab 2017 kamen gezielte Angebote für Geflüchtete hinzu.

Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg eines Ausbildungsverbundes aus?
Der Schlüssel liegt in der individuellen Begleitung: von der Ausbildungsplatzsuche über finanzielle Unterstützung bis hin zu Förderunterricht und persönlicher Beratung. Für viele Jugendliche ist es das erste Mal, dass ihnen jemand kontinuierlich zur Seite steht. Gleichzeitig profitieren die Betriebe von einer sorgfältigen Bewerbervorauswahl und organisatorischer Entlastung – vor allem Unternehmen, die erstmals ausbilden.

Welche Vorteile, Erfahrungen oder Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?
Unsere Angebote tragen maßgeblich dazu bei, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und Abschlüsse zu sichern. Natürlich war nicht alles selbstverständlich: Während in früheren Projekten Teilnehmende zugewiesen wurden, mussten wir nun selbst aktiv werben – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Betrieben. Die Beteiligung der Unternehmen an Ausbildungskosten war ein weiterer Aspekt, der Überzeugungsarbeit erforderte.

Evelyn ist Auszubildende zur Kauffrau im Einzelhandel. Ihr Ausbilder (Cemil A.) war selber Auszubildender im Ausbildungsverbund. Nun ist er für eine Filiale des Kooperationspartners und die Ausbildung dort verantwortlich. | Bildnachweis: VHS Heidekreis / Jutta Biermann

Projektumsetzung & Wirkung

Wie ist Ihr Ausbildungsverbund strukturiert?
Wir arbeiten nach dem Leitbetrieb‑Partnerbetrieb‑Modell. Die VHS Heidekreis übernimmt als Leitbetrieb die Ausbildungsverträge, Organisation und sozialpädagogische Betreuung. Die praktische Ausbildung erfolgt dann in den jeweiligen Partnerbetrieben.

Wer sind Ihre Partner – und wie gelingt die Zusammenarbeit?
Im Zentrum stehen die Ausbildungsbetriebe der Region. Durch regelmäßigen Austausch begleiten wir die Entwicklung der Auszubildenden eng. Ergänzt wird das Netzwerk durch Kammern, Berufsschulen, Jobcenter und Agentur für Arbeit. Besonders wertvoll sind Kontakte, die sich durch gemeinsame Prüfungsausschüsse ergeben, sie öffnen Türen zu weiteren Betrieben und Innungen.

Wie erreichen Sie Jugendliche mit besonderem Förderbedarf?
Unser Netzwerk ist entscheidend. Es umfasst Kontakte zu berufsvorbereitenden Maßnahmen, Bildungsträgern, Berufsschulen, Jobcenter und der Agentur für Arbeit. Wir werben mit Flyern, Plakaten und Präsentationen in Klassen. Besonders freut uns die Mund‑zu‑Mund‑Propaganda ehemaliger Auszubildenden – sie ist ein starkes Zeichen für Vertrauen und Erfolg.

Wie wirkt das Projekt auf die regionale Ausbildungslandschaft?
Der Fachkräftemangel ist inzwischen auch in den Betrieben angekommen. Unsere Rundum‑Begleitung wird als verlässliche Unterstützung angesehen und eine Win‑Win‑Situation für Jugendliche, Betriebe und die gesamte Region.

Gibt es eine Erfolgsgeschichte, die Sie besonders berührt hat?
Sebastian L. ist ein Beispiel, das uns besonders bewegt. Mit Förderschulabschluss und vielen Hürden gestartet, entwickelte er im Ausbildungsverbund erstaunlichen Ehrgeiz, forderte Unterstützung ein und erzielte hervorragende Leistungen. Gemeinsam fanden wir einen Betrieb mit besonders sozialer Haltung – ein Schreibwarengeschäft mit Postfiliale. Dort startete Sebastian motiviert in die Ausbildung zum Verkäufer, zeigte gute Leistungen im Betrieb und in der Berufsschule und entwickelte einen beeindruckenden Ehrgeiz. Trotz Betriebsinsolvenz verfolgte er konsequent seinen Weg, schloss seine Ausbildung sehr erfolgreich ab und leitet heute eine Filiale.

„Geschichten wie seine zeigen, wie viel Potenzial in jungen Menschen steckt, wenn man ihnen die richtige Unterstützung bietet.“ Jutta Biermann, Ausbildungsverbund Heidekreis
Zia (rechts) ist Auszubildender zur Fachkraft für Metalltechnik | Bildnachweis: VHS Heidekreis / Jutta Biermann

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der NBank?
Die Zusammenarbeit verläuft überwiegend sehr gut und ist geprägt von einem konstruktiven Austausch.

Wie wichtig ist die Förderung für Ihr Projekt?
Sie bildet die Grundlage unserer Arbeit. In einer strukturschwachen Region sind viele Betriebe und Jugendliche auf Unterstützung angewiesen. Die Förderung senkt die Kosten für Unternehmen und eröffnet besonders benachteiligten jungen Menschen realistische Einstiegschancen. Hilfreich wären höhere Fördersätze, um steigende tarifliche und Ausbildungskosten auszugleichen. Zudem wünschen wir uns kürzere Bearbeitungszeiten bei Mittelanforderungen, da wir die Ausgaben vorfinanzieren müssen.

Gab es einen Moment, der Ihnen deutlich machte: „Das war die richtige Entscheidung“?
Ja! Immer dann, wenn junge Menschen ihre Prüfungen bestehen und ihren Weg ins Berufsleben finden. Zu sehen, wie aus fehlender Perspektive echte Zukunft wird, ist besonders bewegend und ein wertvoller Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Welche Tipps geben Sie anderen Trägern, die eine Förderung in Erwägung ziehen?
Es lohnt sich. Die NBank‑Förderung eröffnet Jugendlichen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben und entlastet Betriebe im Wettbewerb um Fachkräfte – besonders bei der Unterstützung junger Menschen mit Migrationsgeschichte.

Ausbildungsverbünde

Weitere Informationen zu diesem Förderprogramm finden Sie auf unserer Programmseite.

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