05.06.2015

Neue NBank-Bevölkerungsprognose 2015 – 2035: Teilen Niedersachsens droht Entvölkerung

Wohnraum, Infrastruktur & Städtebau

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Niedersachsen schrumpft: Nach der neusten Bevölkerungsprognose der NBank wird Niedersachsen in den kommenden 20 Jahren rund 370.000 Einwohner verlieren - etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Der demografische Wandel wirkt allerdings nicht auf alle Landesteile gleich: Während manche Kommunen und Städte einen deutlichen Bevölkerungszuwachs von bis zu 14 Prozent verzeichnen, beschleunigen sich in anderen Landstrichen die Rückgänge. Der Landkreis Osterode am Harz etwa verliert laut Prognose bis 2035 jeden dritten Einwohner.

Je ländlicher, desto größer das Schrumpfungsrisiko
Prognosen können die Zukunft nicht präzise vorhersagen – je weiter der Prognosehorizont desto unsicherer die Prognose. Doch methodisch relativ sicher ist: Betroffen vom Bevölkerungsrückgang sind ausgerechnet die Regionen, die eigentlich nicht weiter verlieren dürften. Ebenso gilt: Je ländlicher es wird, desto größer ist das Risiko, abgehängt zu werden. Bereits jetzt sterben in Niedersachsen pro Jahr 25.000 Menschen mehr als geboren werden, und die peripheren Regionen müssen zudem mit Abwanderung umgehen.

Großstädte sind die Gewinner des Wandels
Zu den Verlierern des demografischen Wandels zählen neben Osterode auch Holzminden, Goslar und Northeim. Die letztgenannten Landkreise werden der Studie zufolge bis 2035 rund ein Viertel ihrer Bevölkerung verlieren. Während die einen um weitere Abwanderungen bangen müssen, prosperieren und wachsen besonders Großstädte und ihr nahes Umland. Die Einwohnerzahlen in Hannover und Lüneburg werden laut Prognose um 14 Prozent steigen. Braunschweig kann mit einem Wachstum von 13 Prozent rechnen, in Wolfsburg sind es zwölf Prozent und in Harburg zehn Prozent.

Weil: Zuwanderung kann Schlüssel sein
Ob eine Kommune wächst oder schrumpft, hänge in erster Linie von der Wirtschaftskraft ab, so Dr. Sabine Johannsen, Mitglied des Vorstands von der NBank im Hannover. Die Menschen ziehen dahin, wo sie Arbeit finden. Das gilt auch für Zuwanderer, die nach Deutschland kommen. Im Wendland fordert die Initiative "Zuflucht" unterdessen, deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen, um den drohenden Einwohnerverlust aufzufangen. Vor allem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak seien meist gut ausgebildet. Zuwanderung könne ein Schlüssel sein, sagt auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Er bezeichnete den demografischen Wandel als "die größte Herausforderung, vor der wir stehen".

Demografischer Wandel gefährdet Mittelstand
In der Wirtschaft hat die Prognose besorgte Reaktionen ausgelöst. Volker Schmidt, Chef der industriellen Arbeitgeberverbände, spricht von einer ernsthaften Bedrohung für den Mittelstand. "In den nächsten zehn Jahren werden wir erleben, dass die ersten Unternehmen aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ihre Pforten schließen müssen", sagt er. Besonders kleine und innovative Mittelständler in der Fläche dürften leiden. Steuere man nicht gegen, "werden am Ende nur noch die großen Konzerne übrig bleiben".

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