20.10.2014 | 13. Wohnungspolitischer Kongress: Den ländlichen Raum neu erfinden

Mehr als 250 Experten diskutierten Perspektiven zwischen Wachstum und Schrumpfen

Das Themenspektrum der vier Fachforen griff diese Impulse auf. Die Foren reichten von der Bedeutung von Nachbarschaften in schrumpfenden Gesellschaften über Investitionsstrategien in angespannten Wohnungsmärkten oder Quartiere für selbstbestimmtes Wohnen in jedem Alter bis zur Wohnungspolitik im Zeichen der demografischen Entwicklung Niedersachsens. Einen Überblick über die Aussagen der vier Hauptredner verschaffen die folgenden Zitate:

Cornelia Rundt, Niedersächsische Sozialministerin:

„Die räumlichen und qualitativen Disparitäten beim Bauen und Wohnen in den verschiedenen Regionen Niedersachsens nehmen zu, die Herausforderungen sind vielfältig: Von schrumpfenden Gemeinden mit Wohnungsüberschuss, Überalterung und mangelnden Versorgungsstrukturen bis zu Städten mit Wohnungsmangel in bestimmten Segmenten und Polarisierung sozialer Gruppen - das Bild des Wohnungsmarktes in Niedersachsen ist stark differenziert. Sowohl Schrumpfung als auch Wachstum stellen im Städtebau das Land und die Kommunen vor neue und vielfältige Herausforderungen. Daher werden wir im Programmjahr 2015 die Mittel hier deutlich aufstocken: Niedersachsen wird – vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushalts – Landesmittel in Höhe von rund 47,6 Mio. Euro zur Verfügung stellen. Zusammen mit den Bundesmitteln in derselben Höhe ergibt sich daraus ein Gesamtvolumen von rund 95,2 Mio. Euro.

Heiner Pott, Direktor vdw Niedersachsen Bremen:

Nicht nur die Risiken, auch die Chancen demografischer Entwicklung erkennen

„Die 168 Mitgliedsunternehmen im vdw sind in wachsenden Stadtregionen, aber auch in Regionen aktiv, die durch Bevölkerungsrückgang geprägt sind. Hier wie dort setzen die Unternehmen auf die Verbesserung der Wohnqualität. Deswegen gibt es auch in strukturell schwächeren Gebieten Neubautätigkeit. Die Projekte aus Wilhelmshaven und Osterode, die beim Kongress vorgestellt werden, stehen beispielhaft für zahlreiche wohnungswirtschaftliche Aktivitäten. Vielerorts stehen unsere Unternehmen jedoch allein auf weiter Flur und würden sich eine intensivere Unterstützung auf kommunaler Ebene wünschen. Wir werben daher dafür, dass die betroffenen Städte und Gemeinden einen Demografiecheck aufstellen, der deutlich macht, wo der Schuh drückt. Die Datenbasis dazu ist vorhanden. Anschließend sind Politik, Verwaltung, Wirtschaft, die Freie Wohlfahrt und viele mehr gefordert, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Eigenkräfte vor Ort zu mobilisieren.“

Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der NBank:

NBank begleitet Kommunen bei Umsetzung integraler Projekte

„Wohnen ist für uns Menschen ein hoch emotionales Thema. Gerade in den ländlichen Regionen ist Wohnen Ausdruck eines bewussten Lebensmodells. Eine Abwrackprämie für Dörfer, die in ein bewusstes Leerziehen von Gemeinden und später vielleicht ganzen Landstrichen mündet, kommt für mich deswegen nicht in Frage. Die teils sehr unterschiedlichen Problemfelder erfordern differenzierte Lösungsansätze. Für Kommunen und Gebiete, deren Infrastruktur für eine einst größere Anzahl von Einwohner angelegt worden ist, kann die Chance daher in Spezialisierungen innerhalb einer Region liegen: in der einen Kommune das Schwimmbad, in der anderen die weiterführende Schule – Hauptsache die Region über die einzelnen kommunalen Grenzen hinaus bleibt attraktiv und damit wettbewerbsfähig. Ein geeignetes Instrument für die Entscheidungsfindung ist die Wohnungsmarktbeobachtung, die wir im Auftrag des Landes Niedersachen gemeinsam mit vdw und dem Bauindustrieverband Niedersachsen/Bremen herausbringen.“

Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung:

Den ländlichen Raum neu erfinden, das Schrumpfen konstruktiv begleiten

Der demografische Wandel wirkt sich in Deutschland regional höchst unterschiedlich aus. Während wirtschaftsstarke, attraktive Städte weiter Bevölkerung hinzugewinnen, geschieht in peripheren ländlichen Räumen und von alten Industrien geprägten Städten das Gegenteil. Insbesondere junge Menschen folgen dem Ruf der Arbeits- und Ausbildungsplätze in die Zentren. In Niedersachsen ist vor allem der Osten und Süden des Landes von diesem Schrumpfen und der gleichzeitig starken Alterung der Bevölkerung betroffen. Weil die ursächlichen Probleme für diesen Wandel kaum zu bekämpfen sind, muss der ländliche Raum sich neu erfinden, will er auch künftig eine Existenzberechtigung behalten. Gerade Niedersachsen besitzt mit dem im Westen gelegenen Oldenburger Münsterland eine Region, in der das gelungen ist. Anderenorts aber bleibt nur die Möglichkeit, das Schrumpfen konstruktiv zu begleiten – im Extremfall sogar der kontrollierte Rückzug.

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