• Das Grüdungsteam von epap. Zu sehen sind folgende Personen: auf dem Sofa v.l.n.r. Jannis Dust & Fabian Gruß; hinten v.l.n.r. Gerd Trang und Sebastian Berger.

Der digitale Kassenbon als Erfolgskonzept – Ein Interview mit Fabian Gruß von epap, einem der Gewinnerunternehmen des Durchstarter-Preises 2020

Das Start-up epap aus Hannover konnte die Jury des Durchstarter-Preises 2020 mit dem ersten digitalen Kassenbon überzeugen und sich so gegen zahlreiche andere Jungunternehmen durchsetzen. Wir haben mit den Erstplatzierten in der Kategorie Newcomer gesprochen und nachgefragt, was seit dem Sieg im vergangenen Jahr passiert ist, was Niedersachsen als Start-up Standort auszeichnet und welche Tipps das Team für die diesjährigen Teilnehmenden auf dem Weg zu Ruhm und Preisgeldern hat.

Als Interviewpartner begrüßen wir Fabian Gruß, CEO und Co-Founder von epap.

NBank: Fabian, was hat sich seit dem Gewinn des Durchstarter-Preises für euch verändert?

Fabian Gruß: So einiges! Zum einen haben wir unsere App maßgeblich weiterentwickelt und gerade unser neuestes Update gelauncht, das die Bankkonten unserer Userinnen und User mit ihren digitalen Belegen verbindet, um einen noch besseren Überblick über ihre Finanzen zu ermöglichen. Auf der anderen Seite haben wir unsere B2B-Strategie intensiv weiterentwickelt, um digitale Belege in möglichst viele Systeme zu integrieren - das können Kassensysteme sein, aber auch für Banken, Versicherungen und Zahlungsanbietende sind digitale Belege sehr attraktiv. In allen Bereichen konnten wir starke neue geschäftliche Verbindungen gewinnen und unsere Produkte noch besser auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen. Gleichzeitig schließen wir aktuell unsere zweite Finanzierungsrunde ab, wobei wir uns sehr über die Unterstützung der NBank freuen. All das können wir natürlich nicht alleine bewältigen - unser Team ist stark gewachsen: Neben tollen neuen Mitarbeitenden haben wir auch ein Advisory Board mit Fachleuten aus Handel, Payment und Banking für uns gewonnen.

NBank: Euer Firmensitz ist Hannover, die Landeshauptstadt Niedersachsens. Wie passen Start-up und Niedersachsen für euch zusammen? Wo seht ihr Stärken, wo muss nachgebessert werden?

Fabian Gruß: Für uns passt das sehr gut zusammen. Hier in Hannover erleben wir eine gut vernetzte Start-up-Szene, die von gegenseitiger Unterstützung und vom Austausch lebt. Unser Gründungsteam hat sich über verschiedene Accelerator-Programme, Gründungsservices der Universitäten und Hochschulen sowie Start-up Events getroffen. Das spricht wohl für sich. Aber auch außerhalb der Start-up-Szene ist die Offenheit für innovative Ideen sehr groß. Wir pflegen beispielsweise gute Beziehungen zu verschiedenen Handelsverbänden und Digitalisierungsinitiativen. Berlin ist natürlich der Start-up-Hub überhaupt in Deutschland. Wir sind aber offen gesagt froh, nicht in einer so großen Masse zu schwimmen. Beispielsweise haben wir uns sehr über den Besuch des niedersächsischen Wirtschaftsministers im letzten Jahr gefreut.

Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann, dass wieder mehr Start-up Events vor Ort stattfinden können - gerne auch mit einer gesetzten Regelmäßigkeit. Die persönliche Vernetzung zwischen Start-ups und Investorinnen sowie Investoren ist unglaublich wichtig zum Lernen und Wachsen. Digital kann das leider immer noch nicht äquivalent ersetzt werden.

NBank: Die Wahl des Standorts ist das eine, aber wie sieht es allgemein aus? Wenn ihr noch einmal gründen würdet, würdet ihr alles genau so machen? Wenn ja, warum, wenn nein, was würdet ihr verändern?

Fabian Gruß: Da epap für uns die erste Gründung ist, war es natürlich eine steile Lernkurve und wir würden mit Sicherheit einiges ändern. Einer der größten Punkte ist wohl die Auswahl eines optimalen Marktes, der viele Möglichkeiten zur Skalierung offen lässt. Im aktuellen Markt zwischen Handel und Kassensystemanbietenden haben wir als Start-up viele Abhängigkeiten, die teilweise schwer zu überwinden sind. Darauf würden wir beim nächsten Mal mehr achten.

NBank: Neben dem Business sollte auch der Mensch nicht zu kurz kommen. Was macht euch als Menschen aus? Welche eurer Eigenschaften haben euch auf eurem Weg besonders geholfen?

Fabian Gruß: Gerade, weil wir so verschiedene Persönlichkeiten sind, ergänzen wir uns sehr gut. Einer gleicht die Schwächen des anderen mit seinen Stärken aus. Gleichzeitig sind wir aber alle sehr reflektiert und immer offen für Neues. Das ist vor allem in der Anfangsphase auch sehr wichtig. Niemand weiß schließlich vorher, ob alles genau so läuft, wie es ursprünglich geplant war. Daran knüpft dann direkt Lernfähigkeit an, ohne die wir wohl nicht hier stünden.

„Menschlichkeit“ ist zwar ein großer Begriff, beschreibt aber unseren Ansatz bei epap sehr gut: Bei unseren Produkten berücksichtigen wir immer die Interessen aller Stakeholder. Wir sind überzeugt, dass wir nur so erfolgreich am Markt sein werden.

NBank: Wo wir von euch als Menschen sprechen: Was darf auf eurem Schreibtisch niemals fehlen und warum? Habt ihr überhaupt noch einen festen Schreibtisch?

Fabian Gruß: Kurz nach unserer Gründung begann der erste Lockdown. Die Arbeitsplätze in unserem Büro in der Venture Villa wurden deshalb nach Hause verlagert. Mittlerweile trifft man uns aber wieder deutlich regelmäßiger dort. Neben unseren MacBooks und Smartphones darf aber auf keinen Fall ein guter Kaffee oder Tee fehlen! Offensichtlich findet man bei uns auch den ein oder anderen Kassenbon…

NBank: Als Start-up habt ihr sicherlich schon einiges erlebt. Was war die wichtigste Erfahrung in eurer bisherigen Laufbahn als Unternehmer?

Fabian Gruß: Die wichtigste Erfahrung war bisher, dass ein Start-up zu einem sehr großen Teil aus Validierungs-Iterationen besteht. Hypothesen aufstellen, validieren und notwendige Schlüsse daraus ziehen. Einer der wichtigsten Lerneffekte war, dass man auch Ideen, an den man länger gearbeitet hat, ablegen sollte, wenn der Weg nicht erfolgversprechend ist.

NBank: Eine der Wegmarken in eurer Erfolgsgeschichte war der Gewinn des Durchstarter-Preises 2020. Welche Tipps wollt ihr den diesjährigen Bewerbenden mit auf den Weg geben? Was braucht es, um als Start-up durchzustarten?

Fabian Gruß: Wenn ihr eine Idee habt, dann zögert nicht und legt einfach los. Uns hat es geholfen, mit möglichst vielen Menschen über unsere Idee zu sprechen, um Feedback aus verschiedenen Perspektiven zu sammeln und uns ständig zu hinterfragen. Wenn etwas mal nicht so läuft wie geplant, lasst euch nicht unterkriegen, sondern nutzt die Chance, um noch besser zu werden. Ein Start-up zu gründen ist natürlich immer viel Arbeit - holt euch motivierte Mitstreitende ins Team, die eure Idee mit euch weiter vorantreiben. Zuletzt: Vergesst nicht den Spaß dabei!

NBank: Vielen Dank für das Gespräch!

Bildnachweis: epap GmbH
v.l.n.r. Jannis Dust & Fabian Gruß; hinten v.l.n.r. Gerd Trang und Sebastian Berger

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