Durchstarter-Preis 2020: 10 Fragen an die Juroren Uwe Tschischak und Jan Hartwig von der Volkswagen Financial Services AG

20.11.2020

In zehn Tagen werden die Sieger des Durchstarterpreises in den Kategorien Corona Solution Newcomer, Scale-up und Science Spin-off gekürt. Um euch die Wartezeit zu verkürzen, haben wir den Juroren Uwe Tschischak und Jan Hartwig von der Volkswagen Financial Services AG zehn Fragen gestellt. Durch ihre langjährige Erfahrung sind sie bestens geeignet, um die Leistungen der Startups im Bereich „Scale-up“ zu bewerten. Uwe Tschischak ist als Leiter des VWFS AG Innovation Hub tätig, während Jan Hartwig Ubility leitet.

Bitte stellen Sie die Arbeit Von VW FS und Ubility kurz vor.

Uwe Tschischak [links im Bild]: Ubility ist unser Eingangskanal für alle Startups und innovative Technologien in die Volkswagen Financial Services ; Ubility ist dabei eingebettet in unsere Innovationsabteilung innerhalb des Unternehmens. Unsere Aufgabe ist es, zur richtigen Zeit die beste Business Lösung an die richtige Stelle unserer recht komplexen Organisation zu platzieren. Quasi eine Punktladung zu vollziehen. Dabei stimmen wir uns eng mit den Fachabteilungen ab und arbeiten überwiegend stakeholder-orientiert.

Jan Hartwig: Man könnte auch sagen, wir haben die Rolle eines „Matchmakers“ inne und bringen unsere Herausforderungen oder Aufgabenstellungen mit – idealerweise – der Problemlösung zusammen. Dabei suchen wir hauptsächlich nach „reifen“ Startups, also Unternehmen die bereits Produkte am Markt haben, welche von Kunden genutzt werden. Uwe Tschischak (schmunzelt): Wäre die Begrifflichkeit nicht schon anders belegt, könnte man auch von „Innovations-Tinder“ sprechen. Im Ernst: Wir wollen den Startups echte Herausforderungen aus der betrieblichen Praxis bieten, an denen sie wachsen können und sollen. Im Verlauf dieses Ausprobierens am “lebenden Projekt” stellen wir dann fest, was wir gemeinsam, also das Startup und wir, noch benötigen, um eine positive Lösung zu skalieren. Durch die Größe der VWFS haben wir die theoretische Möglichkeit, passende Lösungen in rund 48 Länder zu tragen.

Wie sind Sie Teil der Jury geworden?

Uwe Tschischak: Wir sind natürlich als großes Unternehmen in Niedersachsen und Teil des Volkswagen Konzerns sehr daran interessiert, Teil der Innovationslandschaft zu sein und beobachten die Startup-Szene daher sehr genau. Wir arbeiten an vielen Stellen mit zentralen Playern zusammen, beispielweise mit dem Innovationszentrum Niedersachsen und der örtlichen Ort Startup-Szene.

Jan Hartwig: Genau, auch mit dem Zukunftslabor Mobilität an der TU Braunschweig sind wir im engen Austausch und haben bereits bei einigen Projekten erfolgreich kooperiert. Und so hat sich auf ganz natürliche Weise unsere Beziehung zum Durchstarterpreis ergeben, wo wir nun den wichtigen Bereich „scale up“ als Sponsor begleiten.

Was zeichnet den Durchstarterpreis aus und was unterscheidet ihn von ähnlichen Wettbewerben?

Uwe Tschischak: Wir als Volkswagen Financial Services mit Hauptsitz in Braunschweig sind stark in Niedersachen verwurzelt und möchten daher das Ökosystem aus Unternehmern und Startups stärken. Und der Durchstarterpreis verspricht exakt dies: Kontakt mit den besten niedersächsischen Startups. Aus meiner Sicht, gibt es kaum einen vergleichbaren Wettbewerb.

Wie profitieren die Startups von einer Teilnahme am Durchstarterpreis?

Uwe Tschischak: Die Startups erhalten durch die Teilnahme Kontakt zu internationalen Playern wie uns, können mit uns gemeinsame Projekte initiieren und diese auch international ausrollen. Das Jungunternehmen, das gezeigt hat, dass die eigene Lösung bereits 1000 Mal funktioniert hat, kann es mit uns versuchen, dann – sagen wir – auf 10.000.000 Anwendungen zu skalieren. Wir sind daher immer auf der Suche nach geeigneten Startups, die – vor allem in Sachen Skalierbarkeit - zu uns passen.

Welche Formen der Förderungen eignen sich für Startups und warum ist Volkswagen Financial Services die Förderung von jungen Unternehmen so wichtig?

Uwe Tschischak: Meiner Erfahrung nach ist es für Startups in der Wachstumsphase sehr wichtig, sich Zugänge zu Markt, Kunde und Kapital zu verschaffen. Und das nicht rezepthaft, sondern individualisiert; genau das können wir mit ubility.io bieten.

Jan Hartwig [rechts im Bild]: Junge Unternehmen sind die Zukunft, überall, in Niedersachsen und auch an unserem Standort. VWFS besitzt als großes, aber im Selbstbild und im unternehmerischen Denken und Handeln mittelständisches Unternehmen zwar eine enorme – auch internationale - Reichweite, aber natürlich nicht die Agilität eines Startups. Wie könnte es auch anders sein? Daher arbeiten wir gern mit jungen, flexiblen und schnellen Unternehmern zusammen diese Kombination erscheint uns ideal.

Welchen Vorteil bietet eine zusätzliche „Marke“ wie Ubility?

Uwe Tschischak: Für manche kleine Unternehmung ist es vielleicht abschreckend, direkt mit einem größeren Konzern zusammenzuarbeiten. Oder der Respekt vor schierer Größe und Komplexität ist einfach zu groß. Daher haben wir eine eigene Marke kreiert. Wir konnten dadurch unseren Bekanntheitsgrad drastisch steigern. Mit der Marke Ubility signalisieren wir den Startups, dass wir uns auf Augenhöhe unterhalten und nicht von „oben nach unten“.

Jan Hartwig: Ja, genau. Die Mitarbeiter im Innovationsumfeld nehmen auch innerhalb der VWFS eine besondere Rolle ein und verstehen die Bedürfnisse von Startups genauso wie die Anforderungen der einzelnen Abteilungen. Dadurch sind wir so etwas wie Dolmetscher zwischen den beiden Welten.

Weshalb sollten junge Unternehmen allgemein vom Land, aber auch von großen Institutionen und Unternehmen gefördert werden?

Uwe Tschischak: Deutschland ist zwar historisch betrachtet das Land der Dichter und Denker, aber so etwas wie eine Gründerkultur hat sich hier nicht nachhaltig etablieren können – bis jetzt. Damit es für Jungunternehmer nicht dauerhaft schwer bleibt, mit klugen Ideen und Geschäftsmodellen Fuß zu fassen, setzen wir auf gezielte Unterstützung der Entrepreneure. Das tun wir am liebsten mit konkreten Projekten. Manchmal ist es auch nur unsere Netzwerkleistung, die zählt, der Kontakt und Austausch mit Branchen-Spezialisten. Kurzum: Wann immer wir die Möglichkeit haben schnell und unbürokratisch zu helfen, tun wir das. Auch das Land hat erkannt, dass innovative Unternehmen für Niedersachsen und seine Zukunft wichtig sind.

Welchen Wert haben Kollaborationen für Start-ups?

Jan Hartwig: Für Startups ist es schwer einzuschätzen wie größere Unternehmen mit ihren Prozessen und Strukturen „ticken“. Wir helfen dabei, Startups auf die nächste Stufe zu heben – indem wir erfolgreiche (Pilot-)Projekte gemeinsam durchführen. Dabei lernen Startups, worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt. Dieses Wissen hilft bei der Akquise des nächsten Kunden enorm.

Wie ist die Philosophie von VW FS in Sachen Startup-Förderung?

Uwe Tschischak: In einem Satz: Individuelle Wachstumsspritzen für Innovationen in echtem unternehmerischem Erfolgsumfeld oder wie es ubility sagt: Lets scale innovation together!

Wie sehen Sie Niedersachsen als Standort für Startups im deutschlandweiten Vergleich? Denken Sie, das Land tut genug, um von jungen Unternehmen als attraktiv wahrgenommen zu werden und welche Entwicklung wünschen Sie sich für die Zukunft?

Uwe Tschischak: Es ist absolut richtig und wichtig, dass das Land Niedersachsen junge Unternehmer fördert. Neben der direkten Förderung von Startups und das Angebot von Veranstaltungen sollten aber auch nach und nach die Rahmenparameter für erfolgreiche Gründungen angefasst werden. Es muss ein attraktives Gründer-Ökosystem entstehen, um auch langfristig attraktiv auf Startups zu wirken. Dabei hat ein solches Ökosystem viele Facetten, die m. A. n. gleichermaßen bedient werden sollten: Erstens müssen entsprechende Risikokapitalgeber für das Land gewonnen werden, damit Startups schnell und unbürokratisch finanziert werden können.
Zweitens müssen die Lebensbedingungen für Fachkräfte interessant genug sein, um sich in Niedersachsen niederzulassen – und auch zu bleiben. Was z.B. Orte wie das Silicon Valley oder Tel Aviv so erfolgreich macht, ist u.a. die Verfügbarkeit von absoluten Top- Spezialisten. Und zu guter Letzt sollte auch die technische Infrastruktur angepasst werden. In vielen Orten ist bestenfalls eine mittelmäßige Internetanbindung verfügbar. Nicht gerade ideal für ein High-Tech Startup. In Summe also viel Arbeit für alle Beteiligten – aber Arbeit, die sich lohnt und gut investiert ist.

Zum Schluss haben wir noch eine letzte Frage. Was können Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die ihr eigenes Unternehmen gründen möchten?

Jan Hartwig: Fast jeder Mensch hat (gute) Ideen. Deren Umsetzung macht jedoch den entscheidenden Unterschied. Es erfordert eine Menge Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Noch mehr Mut erfordert es, dies mit Lösungen zu tun die nicht jeder auf Anhieb versteht. Es ist wichtig sich von nichts und niemanden von seinem Pfad abbringen zu lassen – Unbeirrbarkeit und Durchhaltevermögen sind Schlüsselqualifikation. „Just do it!“ sagt sich leicht, ist aber enorm schwer umzusetzen.

Uwe Tschischak: Das Team selbst ist eine wesentliche Komponente bei der Gründung eines Startups. Mit einem guten Team kann man fast alles erreichen. Arbeitet das Team allerdings nicht wie ein Uhrwerk zusammen, können auch die besten Ideen scheitern. Es gibt viele prominente Beispiele von Gründern, die nicht gleich mit der ersten Idee durchstarten konnten. Elon Musk hatte auch mehrere Fehlversuche als Unternehmer, bevor er mit paypal Erfolg hatte, der Rest ist Geschichte.

Alle Informationen zum Durchstarter-Preis sind unter durchstarterpreis.nbank.de zu finden.

Bildnachweise: copyright Volkswagen Financial Services

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