Start-ups & Corona: VentureVilla

02.03.2021

In der Beitragsserie „Start-ups & Corona“ möchten wir Ihnen Einblicke in die niedersächsische Start-up-Szene und ihren Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie geben. In diesem Beitrag kommt die VentureVilla aus Hannover zu Wort. Das Start-up-Zentrum unterstützt junge Unternehmen in der Seedphase.

NBank: Wie hat sich die Corona-Pandemie auf eure Arbeit ausgewirkt? Habt ihr in der Zeit Unternehmensgründungen betreut?

VentureVilla: Der Batch #8 unseres 100-tägigen Accelerator-Programms hat remote stattgefunden, sodass wir trotz der Pandemie und den entsprechenden Kontaktbeschränkungen Start-ups in der Seed- und Pre Seed-Phase unterstützen konnten. Während der Corona-Krise gab es mehrere Gründungen bei uns. Kein Start-up aus dem 8. Batch musste seine Gründung abbrechen oder verschieben.

NBank: Habt ihr eine Veränderung der Geschäftsideen festgestellt? Wurden eher Produkte oder Dienstleistungen im Umgang mit dem Corona-Virus entwickelt?

VentureVilla: Einige Ideen, wie bspw. Web- und Softwaretechnologien, wurden bereits vor der Pandemie konzipiert und konnten trotzdem umgesetzt werden. Es gab mehrere Geschäftsmodelle, die gerade in Zeiten der Pandemie noch relevanter wurden als sie es vorher ohnehin schon waren. Themen wie Remote Work, kontaktloses Einkaufen und die Bewegung #supportyourlocal haben einigen unserer Start-ups regelrecht in die Karten gespielt.

NBank: Wart ihr gut auf die Krise vorbereitet, insbesondere was das Thema Digitalisierung angeht?

VentureVilla: Dass wir uns in einem technisch affinen Umfeld bewegen, hat uns bei der Umstellung auf Remote Work während der Pandemie sicher geholfen. Die Start-ups, die wir fördern, arbeiten zu großen Teilen sowieso schon viel remote und sind geübt im digitalen Arbeiten. Zudem sind kleinere Organisationsformen meist agiler als große Konzerne, sodass Umstellungsprozesse bei uns sehr schnell gehen. Auch für uns waren die Kontaktbeschränkungen dennoch eine Herausforderung, da der Community-Gedanke bei uns eine große Rolle spielt und wir neue Wege finden mussten, analoge Zusammenkünfte der verschiedenen Start-ups ins Digitale zu übertragen. Ein großer Vorteil war, dass wir uns bereits seit Sommer 2019 mit der Digitalisierung des Accelerator-Programms beschäftigen. Dies spiegelt sich auch in unserem durch das Land Niedersachsen und hannoverimpuls geförderten Projekt Digital Academy–Start-up Zentrum wider.

NBank: Welche Erfindungen erleichtern euren momentanen Alltag mit den Corona-bedingten Einschränkungen und Anpassungen?

VentureVilla: Eine technische Erfindung ist aus unserer Sicht gar nicht so relevant bzw. passiert gerade ohnehin viel Neues. Unsere Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass wir “Erfindungen” und Veränderung im Bereich von eingeübtem Sozialverhalten benötigen. Was macht den Unterschied zwischen remote und analogem Treffen aus? Ein Beispiel: Die fehlende, eingeübte Begrüßung per Handschlag. Wie können wir das remote ersetzen? Hier braucht es viel mehr Veränderung und Innovation auf der zwischenmenschlichen Interaktionsebene.

Für unseren ersten digitalen Demoday, bei dem die Start-ups am Ende des Batches vor Investoren und Mentoren pitchen, waren wir auf der Suche nach einer Software die es uns ermöglicht, das Feeling eines VentureVilla-Events digital zu transportieren. In dem Rahmen sind wir auf gather.town gestoßen: Dort konnten wir ein digitales VentureVilla-Dorf erstellen, in dem jedes Start-up ein eigenes Haus und damit einen geschlossenen Raum hat, um in den Austausch mit den Gästen zu kommen. So konnten wir das räumliche Gefühl der Villa herstellen und Teilnehmende bewegten sich mit eigenen Figuren im Dorf, alles im Stil eines retro Videospiels. Auch Dank des Gamification Approaches war der Demoday ein voller Erfolg.

NBank: Was vermisst ihr am meisten in eurem beruflichen Alltag?

VentureVilla: Das ist eine sehr individuelle Frage, die sicher jede Person in unserem Umfeld anders beantworten würde. Viele von uns vermissen die alltäglichen, zufälligen Begegnungen in der Villa, bei denen man sich zum Beispiel bei einem Kaffee austauscht. Auch wenn wir den Austausch digital weiter ermöglichen und fördern: Er muss aktuell besser geplant werden und passiert nicht so zufällig und beiläufig, wie es in den letzten Jahren noch der Fall war.

NBank: Wie können ihr frisch gegründeten Start-ups jetzt unter die Arme greifen?

VentureVilla: Das können wir in den Grundzügen genauso wie vor der Pandemie: Durch Beratung, Mentoring und Vernetzung. Aktuell in besonderem Maße durch das Empowerment von Gründungsteams in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage.

NBank: Was würdet ihr Gründerinnen und Gründern in diesen Zeiten mit auf den Weg geben wollen? Wie können sie es schaffen durchzuhalten und weiter an ihre Ziele zu glauben?

VentureVilla: Gründen erfordert Durchhaltevermögen, Disziplin und Resilienz. Das war auch schon vor der Pandemie so. Ein Start-up zu gründen ist ein langer, anstrengender Prozess und niemand sollte sich durch Rückschläge direkt entmutigen lassen. Nehmt alle Unterstützung und alle Förderprogramme in Anspruch, die euch zur Verfügung stehen. Tauscht euch mit anderen Gründerinnen und Gründern aus und ihr werdet schnell merken, dass viele mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben oder hatten. Durch Austausch könnt ihr voneinander lernen und ein Netzwerk aufbauen. Wenn ihr aktuell von der Pandemie besonders betroffen seid, steckt nicht den Kopf in den Sand, sondern übt euch in Agilität und überdenkt euer Geschäftsmodell. Wie könnt ihr euch in der aktuellen Situation anpassen? Wie kann die Krise für euch vielleicht sogar zur Chance werden?

NBank: Vielen Dank für das Gespräch!

Bildnachweis: VentureVilla

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