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Start-ups & Corona: Kwiggle – Mit Hüftschwung durch die Krise

13.10.2020

In der Beitragsserie „Start-ups & Corona“ möchten wir Ihnen Einblicke in junge Unternehmen und ihren Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie geben. Dieses Mal im Gespräch: Karsten Bettin, Geschäftsführer der Kwiggle®Bike GmbH.

Mit einem Produkt, das vor allem Pendlern die tägliche Fortbewegung um ein Vielfaches erleichtern und Zeit sparen soll, ist Kwiggle-Gründer Karsten Bettin 2019 an den Markt gegangen. Das von ihm entwickelte Fahrrad ist so kompakt wie kein anderes. Es lässt sich überall verstauen: unter Sitzen in Zügen, Bussen und Bahnen oder etwa ins Handgepäck von Flugzeugen. Die NBank sprach mit dem Hannoveraner Bettin über den Entwicklungsprozess und die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten des Kwiggles.

NBank: Herr Bettin, wie kamen Sie auf die Idee, das kompakteste Faltrad der Welt zu entwickeln?

Karsten Bettin: Der Grundgedanke kam mir tatsächlich, als ich mir eine entscheidende Bergetappe der Tour de France angeschaut habe. Dort überholte ein Fahrer, der durchgehend im Stehen fuhr, einen anderen, der dauernd zwischen einer sitzenden und stehenden Position wechselte. Das machte mir die Effektivität des Fahrens in stehender Position deutlich. Der Grundgedanke meiner Erfindung war also, diese Effektivität mit dem Komfort des Fahrens im Sitzen zu kombinieren. Da diese Grundüberlegungen einen kleinen Radstand bedingen, waren wir schnell beim Thema geringe Größe, woraus am Ende das kompakteste Faltrad der Welt wurde.

NBank: Wie weit war der Weg bis zum ersten fahrtüchtigen Prototypen?

Karsten Bettin: Von der grundlegenden Idee über das Experimentieren mit Kinderfahrrädern bis hin zum ersten fahrbaren Prototypen hat es zwei bis drei Jahre gedauert. Der erste maschinengefertigte Prototyp wurde kurz nach der offiziellen Gründung von Kwiggle 2013 fertiggestellt. Vor allem das beantragen von weltweiten Patenten – immerhin über 80 an der Zahl – war ein großer Zeit- und Geldfaktor.

Mit dem Prototyp konnten wir uns dann das erste Feedback am Markt holen. Ein echtes Gefühl für den Bedarf hatten wir erst nach Präsentationen auf Fachmessen. Mittlerweile kommen Bestellungen aus ganz Europa, Interessenbekundungen am Kwiggle kommen sogar aus der ganzen Welt.

NBank: Für welche Anwender haben Sie das Kwiggle entwickelt?

Karsten Bettin: Dadurch, dass es sowohl unter den Sitz in einer S-Bahn, als auch ins Handgepäck eines Flugzeugs passt, sind Pendler unser Hauptsegment. Hinzu kommen Citytouristen, Camper, Segler – im Grunde alle, die ihre individuelle Mobilität durch das Kwiggle erweitern wollen. Unser Fahrrad ist perfekt geeignet, um den Weg mit dem Auto durch eine Kombination aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad zu ersetzen.

NBank: Woher kommt der Name Kwiggle?

Karsten Bettin: Der Name kommt vom englischen ‚to wiggle‘, das eine wackelnde Bewegung der Hüfte beschreibt. Das ‘K‘ im Namen repräsentiert die Form des Fahrrads.

NBank: Wie fühlt es sich an, wenn Sie jemanden auf einem Ihrer Fahrräder durch die Stadt fahren sehen?

Karsten Bettin: Wir hatten tatsächlich einen kleinen Wettbewerb in der Familie, wer von uns zuerst einen Menschen auf einem Kwiggle sieht, den wir nicht persönlich kennen. Was sich gut anfühlt ist die Begeisterung der Kunden, die nach nahezu jedem Verkauf durchscheint. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, die sich sowohl auf das Fahren als auch das Falten beziehen.

NBank: In Zeiten von Corona boomt das Fahrradgeschäft. Hat auch Kwiggle von diesem Zuwachs profitiert? Oder hatte das Unternehmen umgekehrt unter den Corona-bedingten Lieferengpässen zu leiden?

Karsten Bettin: Die Pandemie hatte bis jetzt keine gravierenden Auswirkungen auf unser Geschäft, weder positiv noch negativ. Dadurch, dass wir unseren Lagerbestand ausverkauft haben und so oder so auf die nächste Produktionswelle warten müssen, hatten wir keine nennbaren Umsatzeinbußen. Natürlich gab es kleine Lieferverzögerungen bei Komponenten, die wir aus dem Ausland beziehen, was jedoch kein größeres Problem war. Wir sind somit bislang relativ unbeschadet durch die Krise gegangen und mussten deshalb auch keinerlei Corona-Hilfen in Anspruch nehmen.

NBank: Die NBank hat in Kwiggle investiert. Wie nehmen Sie die Zusammenarbeit wahr?

Karsten Bettin: Wir sind bis heute sehr zufrieden mit der Entscheidung und der Zusammenarbeit. Man merkt den Mitarbeitern an, dass sie voll hinter uns stehen und mitfiebern, wie sich unser Geschäft entwickelt. Wir erhalten kontinuierlich wichtiges Feedback.

NBank: Wie sieht ihr Ausblick auf die nächsten Jahre aus? Wie wird das Kwiggle 2.0 aussehen?

Karsten Bettin: Unser Fokus liegt zunächst weiterhin auf unserem Kernprodukt und dessen verschiedene Variationen. Schon jetzt können unsere Kunden sich für eine von 48 Varianten des Fahrrades entscheiden, wir arbeiten jedoch konstant an der Entwicklung von neuem Zubehör und außerdem an einer möglichen Elektrisierung unseres Kwiggle. Ein weiterer Bereich, in dem wir forschen, ist die Entwicklung eines nicht-faltbaren Kwiggle mit großen Laufrädern. Zielgruppe sind hierbei Menschen, die das ergonomisch wertvolle Erlebnis unseres freischwingenden Sattels erfahren möchten, aber nicht unbedingt Pendler sind.

NBank: Abschlussfrage: Was wäre Ihre persönliche Traumstrecke mit dem Kwiggle?

Karsten Bettin: Ich bin an einem Tag 300 km um das Ijsselmeer gefahren. Das war fantastisch. Meine Traumstrecke war bisher eine Berg- und Talfahrt durch die italienischen Alpen, bei der ich auch meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord von 58 km/h aufgestellt habe.

NBank: Vielen Dank für die spannenden Einblicke. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg mit dem Kwiggle!

Bildnachweis: Kwiggle®Bike GmbH

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