Serie Start-ups & Corona: Wie deepsight die Komplexität der Corona-Pandemie überwindet

01.09.2020

In der Beitragsserie „Start-ups & Corona“ möchten wir Ihnen Einblicke in junge Unternehmen und ihren Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie geben. Den Auftakt macht deepsight aus Osnabrück.

Mit den Worten „Conquer Complexity“ wird man als Besucher auf der Website von deepsight begrüßt. Gemeint sind die Lösungen des Start-ups, das sich mit künstlicher Intelligenz und deren Anwendung im Bereich von Textanalysen befasst. In den letzten Monaten musste sich das Team auch der Komplexität der Corona-Pandemie stellen. Eine Aufgabe, der das junge Unternehmen gewachsen scheint. Die NBank sprach mit Geschäftsführer David Krems über die aktuelle Situation bei deepsight.

NBank: David, bevor wir mit dem Thema Corona beginnen: Bitte stell deepsight vor und erklär den Leserinnen und Lesern, in welchem Markt ihr euch bewegt.

David Krems: Gerne! deepsight sitzt zurzeit im InnovationsCentrum Osnabrück und ist eine relativ klassische Ausgründung aus dem universitären Umfeld. Tatsächlich studiert ein Teil unseres sechsköpfigen Teams aktuell noch neben der Arbeit, aber die meisten starten schon in Vollzeit bei deepsight durch. Bei der Ausgründung haben wir das Programm „Exist“ des Bundes genutzt. Was wir geschafft haben ist, sehr gute Algorithmen für die semantische Analyse von Texten zu entwickeln. Um diese Algorithmen herum haben wir mit Hilfe von Machine Learning eine Produktpalette aufgebaut, die über das „Scrapen“ von Texten – also das Finden und Bündeln von Informationen – bis hin zur Anonymisierung von Daten reicht. Als Hauptanwendung unseres Angebots hat sich ursprünglich der Bereich Mitarbeiterumfragen in größeren Konzernen herauskristallisiert. Es gab bereits mehrere Aufträge von DAX-Konzernen, die unsere Algorithmen für die Auswertung und/oder Anonymisierung von Befragungsergebnissen genutzt haben. Ob der Produktfokus letztlich so Bestand haben wird, wird sich zeigen. Die Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz sind rasant.

NBank: Start-ups bewegen und entwickeln sich in Phasen. In welcher Phase steckt ihr aktuell?

David Krems: Wir sind in der „First Stage“. Finanziert sind wir aktuell bis Mitte nächsten Jahres. Unser Fokus liegt zurzeit stark auf der Produktentwicklung. Auf Basis von Kundenfeedbacks optimieren wir laufend. Wie gesagt tut sich aktuell viel rund um KI. Eine Herausforderung ist aber, dass die Hardware für die aufwendigen Rechenprozesse einfach noch sehr teuer ist. Wir sind wie viele andere Unternehmen aktuell unter anderem darauf angewiesen, Open Source-Quellen zu nutzen. Hieraus ziehen wir immer wieder Ansätze für die Erweiterung unseres Angebots. Unser Fokus ist und bleibt perspektivisch aber Text, bzw. Sprache im weitesten Sinne. Hier haben unsere Algorithmen einen Marktvorsprung, den wir natürlich weiter ausbauen möchten. Daher verfolgen wir die Entwicklungen sehr aufmerksam.

NBank: Das klingt nach einem optimistischen Ausblick. Fällt es euch nicht schwer, in Zeiten von Corona nach vorne zu schauen?

David Krems: Nein, überhaupt nicht. Natürlich beeinflusst uns Corona, aber bisher kam es „nur“ zur Verschiebung von Budgets und nicht zu Stornierungen. Zudem war unsere letzte Finanzierungsrunde kurz vor dem Ausbruch der Pandemie, weshalb wir eine gewisse Sicherheit im Rücken haben. Unser Fokus hat sich in den letzten Monaten voll auf die Produktentwicklung verschoben. Im Bereich Vertrieb haben wir uns gleichzeitig stärker auf unser Netzwerk verlassen. In dem Markt, in dem wir uns bewegen, war und ist der Nachfragerückgang zwar spürbar, aber nicht so groß wie in vielen anderen Bereichen. Insofern ist unser Ausblick weiterhin sehr positiv, auch wenn wir unseren Businessplan natürlich anpassen mussten. Künstliche Intelligenz ist ein absolutes Innovationsthema mit riesigem Potenzial, da sind die Begehrlichkeiten insbesondere bei großen Unternehmen spürbar. Unser Fokus auf die Textanalyse ist für unsere Kunden dabei verständlich, der Nutzen ist im Grunde schnell erklärt. Ein weiterer Umstand, der uns in die Karten spielt: KI bietet Unternehmen in vielen Bereichen mehr Effizienz. In Krisenzeiten also ein sehr gefragtes Thema.

NBank: Welche Angebote rund um die Corona-Hilfsprogramme habt ihr genutzt? Wie waren eure Erfahrungen?

David Krems: Wir haben sowohl die Soforthilfe als auch den Liquiditätskredit beantragt. Beides hat uns zusätzliche Sicherheit gegeben. Man muss dazu sagen, dass wir von der Struktur her ohnehin keine überbordenden Fixkosten haben. Wir sind da schlank aufgestellt, der Großteil sind Personalkosten, wobei wir uns natürlich auch keine üppigen Gehälter auszahlen. Grundsätzlich finden wir die Angebote, die alle schnell verfügbar waren, sehr positiv. Das ist auch ein Zeichen der gewachsenen Wertschätzung gegenüber Start-ups. Mit der NBank verbindet uns ohnehin eine sehr gute Partnerschaft. Mit 18 % ist sie aktuell größter Anteilseigner, wir tauschen uns regelmäßig über die Entwicklungen aus und erhalten wichtiges Feedback.

NBank: Wie sieht eure aktuelle Planung aus? Was steht in nächster Zeit an?

David Krems: Die Fokussierung auf die Produktentwicklung in der Corona-Hochphase hat uns nach vorne gebracht. Wir konnten eine Plattform entwickeln, über die unsere Kunden Analysen selbständig beauftragen und abrufen können. Letztlich wie eine Art Webshop. Die Anonymisierung von Datensätzen kann dort über ein übersichtliches Interface beauftragt werden. Die Ergebnisse stehen innerhalb von Sekunden bereit. Aufwendiger wird es bei der thematischen Analyse, also bspw. dem Auswerten von freien Antworten im Rahmen von Befragungen. Das wird der nächste Schritt sein. Parallel hat sich ein sehr spannendes Thema über unser Netzwerk ergeben, das unser Produktangebot sehr gut ergänzen würde. Dazu dann beim nächsten Mal gerne mehr!

NBank: Vielen Dank für die spannenden Einblicke, David. Viel Erfolg weiterhin!

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Auf dem Bild (v.l.n.r.) David Krems und Dr. Alexander Meier

Bildnachweis: deepsight GmbH

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