Serie Start-ups & Corona: Beim Laufen lernen

21.05.2021

In der Beitragsserie „Start-ups & Corona“ möchten wir Ihnen Einblicke in junge Unternehmen und ihren Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie geben. Dieses Mal sprach die NBank mit Dr. Simon Riedel, Geschäftsführer der tensorscope GmbH aus Göttingen.

„In wenigen Sekunden vom Bild zum Ergebnis“, das verspricht die vom Start-up tensorscope entwickelte Software laut Riedel. Das Ergebnis sind vollautomatisch ausgewertete Spermiogramme. Warum Spermiogramme? Weil ein absoluter Mehrwert für Ärztinnen und Ärzte sowie Labors erzielt wird, denn aktuell werden Spermiogramme von Hand ausgezählt. „Der geübte Praktiker benötigt ca. 30 bis 40 Minuten für eine Auswertung, die Kosten liegen bei rund 50 Euro, die Fehlerrate bei durchschnittlich 30 Prozent“, fasst Riedel den aktuellen Standard zusammen. „Die Präzision unserer Spermiogramme liegt bei über 90 Prozent, die Kosten betragen einen Bruchteil pro Analyse.“ Es gebe darüber hinaus in größeren Labors aktuell auch automatenbasierte Verfahren, diese seien allerdings mit hohem Investitionsaufwand verbunden und sehr aufwendig zu kalibrieren, weshalb am Ende doch häufig manuell gearbeitet werden müsse.

Komfortable Lösung im Kit
Das auf künstlicher Intelligenz basierende Produkt von tensorscope wird aktuell als Kit angeboten: Der Anwender erhält eine Okularkamera zur Befestigung am Mikroskop und ein Tablet mit der img.ai-App. Laut Riedel erzielt der Algorithmus eine so gute Leistung „wie eine endlose Vielzahl an Experten, die endlos viel Zeit haben.“ Anwendbar ist die Analyse sowohl auf digitalen als auch auf normalen Mikroskopen.

Das Angebot von Img.ai wird zurzeit nur im deutschsprachigem Raum angeboten: „Wir werden unser Produkt zunächst hier etablieren. 1,4 Millionen Menschen in Deutschland haben einen unerfüllten Kinderwunsch und sind auf der Suche nach den Ursachen. Diesen Markt wollen wir bedienen.“ Das Thema Internationalisierung stehe aber klar auf der Agenda. Für Europa rechnet Riedel mit dem dreifachen Umsatzpotenzial Deutschlands.

Corona-Krise: tensorscope blickt nach vorne
„Corona hat für einen drastischen Einschnitt gesorgt, da Labore und unsere hauptsächlichen Entwicklungspartner, die Kinderwunschkliniken, von heute auf morgen geschlossen haben“, so Riedel. „Das war natürlich zunächst ein Schock, gleichzeitig muss man dazu sagen, dass wir kurz vor dem Höhepunkt der Corona-Maßnahmen unsere erste große Finanzierungsrunde abgeschlossen haben. Die Hilfsprogramme mussten wir daher bisher nicht nutzten.“ Den ersten Lockdown und die Wochen der Unsicherheit hat tensorscope genutzt, um den Produktfokus zu erweitern. Viel Phantasie braucht es nicht, um das Potenzial des Algorithmus zu erkennen. „Wir hatten in letzter Zeit viele gute Kontakte, oftmals kommen die Gesprächspartner mit eigenen Anwendungsideen auf uns zu. Vor diesem Hintergrund haben wir die Corona-Phase auch dazu genutzt, unseren Personalbedarf für die anstehenden Herausforderungen zu decken, was sehr gut gelungen ist“, so Riedel. Eigene Büros hat das aktuell neunköpfige Team bereits im April bezogen. „Tatsächlich mussten wir bei der Einrichtung improvisieren, da die Möbelbeschaffung wegen des damaligen Lockdowns schwierig war“, so Riedel getreu dem Motto "Not macht erfinderisch".

Qualität setzt sich durch
Eine direkte Konkurrenz hat das Start-up aus Göttingen aktuell nicht. Das liegt sicher auch daran, dass man von der Idee bis zur Umsetzung und Gründung nicht viel Zeit hat verstreichen lassen. „Manchmal finde ich das Bild von Start-ups etwas überzeichnet. Ich muss oft an eine gewisse Lagerstimmung denken, die man insbesondere den Start-up-Zentren schnell unterstellt. Wir wollten nicht lange rasten und lieber loslaufen. Das zahlt sich heute aus.“ Tiefschürfende Tipps möchte Riedel anderen Jungunternehmen folglich auch nicht mit auf den Weg geben. Wichtig sei letztlich ein belastbares Netzwerk, zu dem er auch die NBank mit ihrem umfassenden Beratungsangebot zählt, und ein für den Kunden verständliches Preismodell. Im Bereich Software komme die Relevanz einer hochwertigen Usability hinzu. „Das Produkt muss stimmen, was letztlich Fleißarbeit ist. Vertrieb und Vermarktung sind in unserem Bereich aber der wahre Schlüssel zum Erfolg“, ergänzt Riedel.

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