Niedersachsens Wirtschaft wächst - trotz internationaler Schuldenkrise, trotz Eurodebatte und trotz unverändert kriselnder Finanzmärkte. Das Bruttoinlandsprodukt steigt, die Arbeitslosenquote sinkt. 2011 hat das niedersächsische Wirtschaftsministerium daher seine über die NBank vergebene Förderung angepasst und das Fördervolumen auf das Vorkrisenvolumen zurückgefahren. Auf einer Pressekonferenz präsentierten Mitte April der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Vorsitzende des NBank-Verwaltungsrates, Dr. Oliver Liersch, sowie NBank-Vorstandsvorsitzender Michael Kiesewetter die Förderzahlen für 2011.
496 Millionen Euro hat das Wirtschaftsministerium über die NBank vergeben statt der knapp über eine Milliarde Euro in 2010. Insgesamt hat die NBank in 2011 für das Land 855 Millionen Euro bewilligt. Mit dem Geld sind 2.253 Arbeitsplätze und 246 Ausbildungsplätze geschaffen worden. Insgesamt wurden 3.250 Unternehmen gefördert.
Das Fördervolumen des Wirtschaftsministeriums setzte sich im Jahr 2011 aus Maßnahmen der Wirtschaftsförderung mit 337 Millionen Euro, der Arbeitsmarktförderung mit 49 Millionen Euro und der Infrastrukturförderung mit 110 Millionen Euro zusammen. Mit den Summen wurden Investitionen, Aus- und Weiterbildungen sowie der Ausbau von Straßen, Häfen und Netzwerken gefördert. Wirtschaftsförderung
Im Mittelpunkt der Wirtschaftsförderung durch die NBank stehen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Sie werden mit Zuschüssen und Darlehen gefördert, wobei die Zuschüsse in 2011 etwas mehr als die Hälfte ausmachten. Von den insgesamt 3.250 geförderten Unternehmen erhielten 1.517 Darlehen und 1.733 Zuschüsse.
Durch den Niedersachsen-Kredit und den seit April 2011 gestarteten Niedersachsen-Gründerkredit sowie die Einzelbetriebliche Investitionsförderung sind Investitionen in einer Gesamthöhe von 604 Millionen Euro angeregt worden.
„832 dieser kleinsten Unternehmen haben wir mit Darlehen gefördert. Das sind 55 % der mit Niedersachsen-Krediten geförderten Unternehmen“, zeigte sich NBank-Vorstandsvorsitzender Michael Kiesewetter erfreut. 954 Kleinst-Unternehmen profitierten von der Zuschuss-Förderung. Damit hat die NBank das Wachstum jener Unternehmen unterstützt, denen es wegen ihrer größenbedingten Nachteile schwerfällt, sich Liquiditätsspielräume zu verschaffen.
Innovationsförderung als ein Schwerpunkt
Einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt in der Wirtschaftsförderung bildete die Innovationsförderung. Hier sind in 2011 insgesamt 35 Millionen Euro geflossen. Neben der Forschung und Entwicklung in Unternehmen sind unter anderem die Luftfahrtforschung, der Technologietransfer oder das Management von Innovationsnetzwerken bezuschusst worden.
Die Silbertool GmbH - Ein Best Practise Fall
Eines der Unternehmen, das in diesem Segment unterstützt wurde, ist die Silbertool GmbH gewesen. Das Unternehmen Silbertool entwickelte ein sogenanntes Handwerkzeug mit dem sich beschädigte Außengewinde von Schrauben und Bolzen selbst und per Hand reparieren oder herstellen lassen. Gerne setzen sie zum Beispiel Kfz-Mechaniker ein, wenn sie für den Austausch von Autoteilen herausgebrochene Schrauben heute reparieren statt wie früher als teures Neuteil ersetzen zu müssen. Die NBank hat Silbertool als eine Ausgründung aus der Leibniz Universität Hannover über das Landesprogramm „Gründercampus Niedersachsen“ gefördert. Das mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes finanzierte Programm bezuschusst mit maximal 18.000 Euro ebensolche Ausgründungen. 2011 wurde die Silbertool GmbH auf der Hannover Messe als beste Campusausgründung prämiert.
Arbeitsmarktförderung
In der Arbeitsmarktförderung verfolgte das Wirtschaftsministerium unter dem Motto „Auf eigenen Beinen stehen“ über die NBank drei Schwerpunkte: Insgesamt 22 Millionen Euro gingen in die Förderung von Beschäftigten, um sie gezielt für den Strukturwandel in ihren Branchen weiterzubilden. Die Integration von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt wurde über die NBank aus dem Programm „Arbeit durch Qualifizierung“ (AdQ) mit 21 Millionen Euro bezuschusst. Das Volumen ist das drittgrößte der AdQ-Förderungen des Wirtschaftsministeriums seit Übernahme des Programms durch die NBank. Ausbildungen sind über die NBank 2011 mit über 3 Millionen Euro unterstützt worden.
Infrastrukturförderung
Die 110 Millionen Euro für die Infrastrukturförderung des Wirtschaftsministeriums sind 2011 auf dem hohen Niveau der letzten vier Jahre geblieben. Neben vielen kleineren Maßnahmen machten den bedeutenden Anteil in diesem Bereich die Programme zur Förderung der wirtschaftsnahen Infrastruktur (15 Millionen Euro), der touristischen Entwicklung (23 Millionen Euro) und der Verkehrsinfrastruktur (35 Millionen Euro) aus.
Die kommende Förderperiode
Die Blicke des Staatssekretärs und des NBank-Vorstandsvorsitzenden richteten sich außerdem auf die kommende Förderperiode. Für sie erwartet Kiesewetter einen deutlichen Rückgang der EU-Förderung. Wie hoch genau dieser Rückgang ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. „Wir rechnen gegenwärtig mit rund 500 Millionen Euro weniger ab 2014“, sagte der NBank-Vorstandsvorsitzende. Darum würde die NBank sich seit Kurzem auf die kommende Periode vorbereiten und ihre Prozesse straffen, um Arbeitsabläufe noch effizienter zu gestalten. „Durch diese Neuausrichtung wird die NBank dauerhaft den sich stellenden Aufgaben, insbesondere im Interesse der niedersächsischen Wirtschaftsentwicklung gerecht werden können“, erklärte Staatssekretär Liersch. Dabei will er über die NBank künftig eher weniger Zuschüsse und mehr Darlehen und Bankprodukte vergeben lassen.